Laufende Projekte
Hamburg
Im Auftrag der Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA) analysiert Public Good die Haushaltsstruktur aller Hamburger Stadtteile im Kontext der kommunalen Wärmeplanung. Hamburg ist eine Stadt extremer räumlicher Kontraste: Während in Quartieren wie der HafenCity Haushalte mit hoher Anpassungsfähigkeit konzentriert sind, leben in späten Ausbaugebieten des Wärmenetzes überproportional viele Haushalte mit sehr schlechter Anpassungsfähigkeit. Die Analyse zeigt, wo Förderinstrumente wie das Wohngeld strukturell nicht ankommen, welche Rolle private Kleinvermieter als Risikogruppe spielen und wie sich Handlungsfähigkeit räumlich polarisiert. Rund 36 Prozent aller Hamburger Haushalte gehören zu den drei vulnerabelsten Persona-Gruppen.
Bremen / Bremerhaven
Im Auftrag der Leitstelle Klimaschutz des Landes Bremen analysiert Public Good die sozioökonomische Haushaltsstruktur beider Städte im Kontext der kommunalen Wärmeplanung. Bremen und Bremerhaven unterscheiden sich trotz ihrer Zugehörigkeit zum selben Bundesland erheblich in Siedlungsstruktur, Einkommensverteilung und Eigentümerstruktur. Die Analyse untersucht, welche Haushaltstypen in den geplanten Wärmenetzausbaugebieten leben, wo Mieter-Vermieter-Dilemmata den Heizungswechsel blockieren und welche Gruppen durch steigende CO₂-Preise besonders belastet werden. Die Ergebnisse fließen in die politische Beratung auf Senatsebene.
Schleswig-Holstein / Lüneburg
Für den Landkreis Lüneburg und umliegende Gemeinden erstellt Public Good Persona-Analysen und ScoreCards als Teil der regionalen Wärmeplanung.
Abgeschlossene Projekte
Sachsen-Anhalt
Persona-Analyse für das Land Sachsen-Anhalt auf Basis des infas360-Datensatzes, regionalisiert für alle Gemeinden des Landes. Im Vordergrund stand die Frage, welche Haushaltstypen wie von der Klimatransformation betroffen sind und wo politischer Handlungsbedarf besteht. Sachsen-Anhalt ist durch einen hohen Anteil ländlicher Räume, einen Altbaubestand und spezifische Einkommensstrukturen geprägt, die die Handlungsfähigkeit vieler Haushalte strukturell einschränken. Die Analyse bildete die Grundlage für eine sozial differenzierte Klimapolitik auf Landesebene.
Saarland
Im Auftrag der Arbeitskammer des Saarlandes hat Public Good die Handlungsfähigkeit saarländischer Haushalte in der Klimatransformation untersucht. Das Saarland weist im bundesweiten Vergleich besonders ungünstige Ausgangsbedingungen auf: die höchste Wohneigentumsquote aller Bundesländer, einen überdurchschnittlich hohen Anteil an Ölheizungen, einen Gebäudebestand, der mehrheitlich den Energieeffizienzklassen F, G oder H zugeordnet ist — und gleichzeitig unterdurchschnittliche Haushaltseinkommen. Die Analyse zeigt, dass nahezu jeder zweite Haushalt im Saarland nicht in der Lage ist, aus eigener Kraft klimaneutral zu werden. Standardisierte Förderprogramme des Bundes greifen für diese Haushalte strukturell zu kurz. Der Abschlussbericht kann auf der Seite der Arbeitskammer Saarland abgerufen werden
Chemnitz
Chemnitz will bis 2040 klimaneutral werden — fünf Jahre vor dem bundesweiten Ziel. Die Ausgangslage ist dabei strukturell schwierig: Ein Drittel der rund 140.000 Haushalte verfügt über ein Netto-Äquivalenzeinkommen unter 1.500 Euro, ein weiteres Viertel über 1.500 bis 2.000 Euro. Die meisten bundesweiten Förderprogramme sind für diese Einkommenssituation nicht ausgelegt.
Public Good hat im Auftrag der Stadt Chemnitz eine vollständige Persona-Analyse erstellt, die die kommunale Wärmeplanung um eine sozioökonomische Perspektive ergänzt. Drei strukturelle Besonderheiten prägen die Analyse: die Dominanz der Fernwärme (42 Prozent der Haushalte, perspektivisch bis zu 100.000), eine zweigeteilte Vermieterstruktur zwischen professionellen Wohnungsunternehmen und privaten Kleinvermietern sowie die unterdurchschnittliche Einkommenssituation der Haushalte.
Die Analyse zeigt, dass die Scheidelinie zwischen Erfolg und Scheitern der Wärmewende in Chemnitz nicht zwischen technischen Optionen verläuft, sondern zwischen sozialer Absicherung und Spaltung. Für die rund 65.000 einkommensschwachen Haushalte in den Fernwärmegebieten ist nicht der Heizungstausch das Problem — die Transformation liegt in den Händen des Energieversorgers — sondern die Preisentwicklung der dekarbonisierten Fernwärme. Für die rund 31.500 Haushalte in Prüfgebieten mit offener Energieträgerentscheidung fehlt bislang eine belastbare Planungsgrundlage. Und für die rund 48.000 Haushalte bei privaten Kleinvermietern fehlen sowohl Investitionskapital als auch Planungskapazitäten.
Die Ergebnisse wurden mit ScoreCards und Karten für fünf Fokusgebiete aufbereitet und in einer Präsentation vor Vertreter:innen aus Stadtplanung, Wohnungswirtschaft und Politik vorgestellt.
Persona Profilierung und ScoreCards
Regionalspezifische Persona Profilierung und ScoreCards wurden bisher für mehrere Kommunen und Landkreise erstellt, darunter Leipzig, Lübeck, Cremlingen, Alefeld und Oldenburg sowie Gemeinden in den Regionen Lüneburg, Bremen und Schleswig-Holstein.